Hund und Mensch

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Branko, ein toller Hund - mit einigen Defiziten

Sammy als Erziehungshelferin?

Als Branko in unser Rudel kam, machte ich mir Sorgen darüber, wie sich das Zusammenleben mit unserer Sammy wohl gestalten würde.

Sammy, eine Hündin die nie ganz einfach <zu handhaben> war. Der Husky guckte ständig als Schalk aus ihren Augen und sagte zu mir: ne ne Frauchen, dressieren kanst du dich allein! Sie wollte gern wie eine Prinzessin behandelt werden - und das tat ich. Ich bestimmte nicht, sondern bat um bestimmte Leistungen und sie gewährte sie mir.

Selbstzweifel nagten in mir, denn zwei schwierige Hunde in einem Haushalt zu halten, ohne dass sie einem über den Kopf wachsen? Wir hatten einiges über die Abgabegründe von Branko gehört, wollten aber keine vorgefaßte Meinung haben und machten daher irgendwann die Ohren dicht.

Branko zerstörrt die Wohnung, wenn er allein bleiben soll, Branko hat seine Leute angeknurrt....

Heute frage ich mich oft, ob es ohne Sammy so schnell zu Verhaltensänderungen bei Branko gekommen wäre. Wahrscheinlich nicht, denn wie sag ich es meinem Hunde?

Sammy lebt ihm andere Verhaltensweisen vor! Und zusätzlich greifen Herrchen und Frauchen ein, wenn Sammy etwas macht, was nicht gerade von uns erwünscht ist. Herumkläffen ist so ein Beispiel. Branko hat schnell gelernt, dass nur Stille ein Leckerchen einbringt und für Leckerchen macht / läßt er fast alles.

Branko fing recht bald an, sich an Sammy zu orientieren. Das merkten wir zuerst an Kleinigkeiten wie: Stimme nachahmen, Gurken essen, ganz schnell zu Frauchens Mama rennen oder wenn diese die Haustür beim Besuch noch nicht auf hat, davor bellen, bis die Tür aufgeht, Herrchen und Frauchen morgens auf gleiche Art und Weise begrüßen,- aber auch - ich lasse den anderen in Ruhe essen oder knabbern, selbst wenn ich nichts mehr habe, wenn es schellt mache ich die Tür nicht auf, sondern bleibe vor ihr stehen, wenn ich jogge, jogge ich - scnüffeln kann ich später wieder und sprungbereit ducken, wenn mir andere Läufer oder Spaziergänger begegnen, ist auch nicht nötig, beim Autofahren bleibe ich sitzen oder lege mich hin, die Wohnung bleibt heil wenn ich allein bin, das Auto bleibt heil, wenn ich darin warte, auf das Sofa gehöre ich nicht und ins Bett gehe ich nur heimlich, wenn Herrchen und Frauchen unterwegs sind, es werden keine Gegenstände herumgezerrt oder zerrupt, ich beisse nicht, wenn ein Stöckchen bzw. Spielzeug da ist, ich lasse mich bürsten und die Ohren kontrollieren, wenn Frauchen es will, ich bleibe im Körbchen liegen, wenn Frauchen die Wohnung sauber macht, ich bleibe still sitzen, wenn ich das Halsband umgelegt bekomme ......

Es ist nicht so, dass wir nun einen zweiten Sammy zu Hause hätten, beide haben auch ihre speziellen Eigenarten und Verhalten. Und was nun durch unser konsequentes Handeln verändert wurde oder durch Nachahmung ist bei Manchem schwer nachvollziehbar.

Für mich steht aber fest, dass ein <schwieriger Fall> durch Hilfe eines Artgenossen problemloser in ein Rudel integriert werden kann. Wichtig dabei ist, dass die Rollenverteilung sofort festgelegt wird. Herrchen und Frauchen sind die Bosse. Da Branko bisher Chefallüren hatte, bekam er die Rolle als Underdog von seinen Bossen zugewiesen.

Viele Menschen meinen Hunde würden die Rollenverteilung unter sich ausmachen - ich glaube, dass zwei in ihrem Sozialverhalten gestörte Tiere gelenkt werden müssen, was nicht heißt, dass ich einen schüchternen kleinen Kerl zum Hundechef machen kann (es sei denn ich möchte gefährlichen Dauerstreit im Rudel hervorrufen!). Branko versuchte auch bei uns der Erste im Rudel zu sein. Wir ließen das nicht zu und schützten auch unsere Hündin vor seinem aggressiven Verhalten. Viermal ist es zu Beissereien gekommen, die wir beendet haben, sonst wäre es bestimmt nicht bei einer Arztrechnung geblieben. Dann hatte Banko gelernt, dass es Ärger gibt mit seinen Bossen und er für längere Zeit ins Körbchen geschickt wird, plus Kindergitter vor der Tür. Bei Jane Fenell (Mit Hunden sprechen und auch ziemlich neu: Mit Hunden leben) hatte ich von der Isolation vom Rudel gelesen. Bei Branko wirkte diese Verhaltensweise. Er akzeptierte seine Rolle erst einmal. Natürlich versucht er nun seine Position zu verbessern, aber alles geht ohne Beissereien ab. Z. B. ist er schneller als Sammy und rennt deshalb an ihr vorbei die Treppe hoch, um den besten Platz zu erwischen. So ist das Untereinander ausmachen der Rollenverteilung in Ordnung. Sammy zeigte in den ersten Tagen auch häufiger Angst vor Branko, der sie immer wieder durch knurren, querstellen usw. dominieren wollte. Sie wurde von uns gestützt, in dem Branko mit den drohend ausgesprochenen Worten <wag es> (habe ich von der Hundetrainerin Fr Lechtenfeld übernommen) von uns gestoppt wurde. Als sie nach acht Wochen das erste Mal zusammen im Körbchen lagen, wußte ich, dass unser gemeinsames Rudelglück begonnen hatte.

Leider zeigte Sammy recht schnell, dass sie jetzt die Alpharolle nicht mehr mit mir teilen wollte. Es kostete mich einiges das Zepter wieder einigermaßen in die Hand zu bekommen. Sammy hörte draußen überhaupt nicht mehr auf das was ich sagte, lief sogar weite Runden, die ich nicht kontrollieren konnte und bellte zusätzlich andere Hunden an, was Brako sofort als Aufforderung zum Aufstand verstand. Jede Hundebegegnung war ein Graus. Mit Durchsetzen und Strenge wie ich es in der Hundeschule lernte, erreichte ich bei ihr wenig. Das Clickertraining brachte die Wende. Unsere Prinzessin fühlt sich wieder bestätigt und benimmt sich draußen besser. Sie läuft keine weiten Runden mehr, hört wieder, wenn ich rufe und das Ankläffen von Artgenossen ist bei ihr um einiges besser geworden.

Brankos Verhalten Artgenossen gegenüber hat sich ebenfals gebessert. Er übt noch weiter in der Hundeschule. Wenn Sammy bellt, schafft er es schon manchmal zu beschwichtigen (z. B. in dem er den Rasen beschnüffelt). Beide erziehen sich jetzt manchmal gegenseitig, z. B. durch kleine freundschaftliche <Ohrlaschen> .

Und ich weiss jetzt, dass es wahr ist: ein GUT SOZIALISIERTER GUT ERZOGENER HUND kann eine große Erziehungshilfe bei einem schwierigen Zweithund sein. Zwei schwierige Hunde erfordern starke Alphamenschen, viel Geduld und Unterstützung von proffessioneller Seite. Aber eines weiß ich ebenfalls: es lohnt sich das Experiment zu wagen und schwierigen Vertretern unserer (Hunde-) Freunde eine neue Chance zu geben.


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