Hund und Mensch

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Futterneid

Immer wieder lese ich, dass Tierschutzorganisationen bestimmte Hunde  mit der Begründung, sie wären futterneidisch nur als Einzelhunde vermitteln wollen. Warum? Was ist überhaupt Futterneid und wie äußert er sich? Kann ich nichts dagegen tun?  Muss mein Hund nun für immer ohne einen  Artgenossen im Rudel leben?

Der Welpe in der Sozialisierungshase (8. – 12. Woche),  kommt mit dem Angebot an Muttermilch nicht mehr aus. Wenn der erste Napf  mit festem Futter bereitgestellt wird, kann der aufmerksame Beobachter  sehen, wie sich bei den Welpen eine kleine Bürste bildet, jeder möchte zuerst an den Napf, es kann zu Scheinkämpfen kommen. Ob dann immer der Welpe zuerst frisst, der am Stärksten ist oder vielleicht auch der am Schnellsten ist, wissen Züchter bestimmt besser als ich. Leider machen sie aber oft den Fehler die Welpen von nun an einzeln zu füttern, angeblich aus Angst einer der Kleinen würde zu wenig bekommen. Dürfen die Welpen zusammen essen, lernen sie  friedlich neben- und nacheinander zu essen. In der freien Natur lernen Wölfe in dieser Zeit, dass es sowieso nur genug Futter gibt, wenn alle zusammen arbeiten. Lange Zeit und meist auch heute noch heisst es, dass die Alphatiere immer zuerst fressen. Durch die moderne Wolfsforschung wissen wir, dass es auch anders geht. Es gibt Bilder von Wölfen, die alle zusammen zur gleichen Zeit von einer Nahrungsquelle fressen (mit anderen Worten: gleichzeitig Stücke aus einem erlegtem Tier herausreissen).

Wie äußert sich nun der Futterneid zwischen zwei Hunden?

Unsere beiden Raubtiere gaben leider bereits ein gutes Beispiel dafür an ihrem ersten gemeinsamen Tag:  Wir waren alle drei in der Küche. Ich holte zwei Näpfe, stellte sie auf den Tisch, holte das Futter  aus dem Schrank, machte die Futterdose auf........noch bevor ich das Futter aus der Dose hatte, tobte ein beissender knurrender Wirbelwind um mich herum! Ich jagte die Beiden aus der Küche und es gab erst mal gar nichts! Also stand fest: nicht nur getrennte Näpfe in verschiedenen Zimmerecken, nein, jeder erhielt sein Futter von nun an in einem anderen Zimmer. Sammy die sonst sehr langsam ihr Futter verspeisste und auch schon mal etwas übrig liess, schlingt nun seit sechs Monaten alles möglichst schnell herunter. Branko ist noch schneller. Nach dem ersten schlimmen Vorfall, blieb ich tagelang in Sammys Nähe beim Fressen. Gut so! Denn Brankos erster Weg nachdem sein Napf leer war: auf zu Sammy- Sammy wegscheuchen, aus ihrem Napf weiterfressen. Natürlich sah ich nicht tatenlos zu. > Wag es Branko – ab!  > Ich scheuchte in aus der Küche. Nach einigen Tagen begriff er:  ich muss warten, bis Sammy ihren Napf verlässt, dann darf ich mit Einwilligung von Sammy und Frauchen den anderen Napf kontrollieren. Ich habe zwar mein eigenes Trinkwasser aber das von Sammy schmeckt besser und sie hat nichts dagegen, wenn ich aus ihrem Napf oder auch mit ihr zusammen trinke.

Zwischenzeitlich fütterte ich beide Hunde immer wieder gemeinsam aus meiner Hand, vor einigen Wochen hielt ich das erste Mal einen Napf hin, aus dem Beide ganz friedlich in meiner Gegenwart frassen. Manchmal machen wir unterwegs ein Futterspiel: Ich zeige jedem ein Leckerchen und werfe es dann in entgegengesetzten Richtungen zum Suchen ins Gras. Klappt super!

Nach dem Erlebnis des ersten Tages gab es Kauknochen nur , in dem die Hunde durch ein Kindergitter getrennt wurden. Nach ein  paar Tagen versuchten wir es ohne. Ich kam mir wie ein Raubtierdompteur  vor,  aber das zwischen den Hunden stehen (splitten) und aufpassen verhinderte so manchen Streit, da Branko natürlich auch hier versuchte, der langsameren Sammy den Knochen weg zu nehmen. Er konnte es lange Zeit nicht mit ansehen, wenn sie noch kaute obwohl er sich offensichtlich bemühte, sprang er irgendwann doch hoch und rannte zu ihr. Mittlerweile ist auch dieses Problemchen ausgestanden. Er ignoriert Sammy nun während dieser Zeit. Als wir mit dem Clickertraining anfingen, bewachte er die Leckerchen und knurrte Sammy an. Es reichten dreimal Einzeltraining, was ihm gar nicht behagte. Denn natürlich möchte er immer dabei sein. Das durfte er dann probeweise auch wieder. Und siehe da, problemlos.

Warum also soll ein futterneidischer Hund nicht zu einem Artgenossen  vermittelt werden?

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