Brankos bisheriger Lebenslauf

(wie ein Hund ohne sein Verschulden zum 'Problemfall' wird)

erzählt von Verena Schneider

Branko kam im März 2001 wegen Trennung und Zeitmangel der Besitzer zum Tierschutzverein. Da saß er nun im Zwinger und wirkte total verstört. Er sprang am Gitter hoch bellte lautstark wenn man sich dem Zwinger näherte und nahm keine Leckerchen an. Ich traute mich kaum nahe an ihn heran. Nach einigen Tagen gewöhnte er sich an seinen neuen Tagesablauf. Jeden Tag fuhr ich morgens zu ihm, um ihn aus diesem schrecklichen Zwinger zu lassen. Bald schon kannte er die Geräusche meines Autos und kam mir im Auslauf entgegengelaufen.

Branko war für jede Sekunde, die er nicht im Zwinger verbringen musste, dankbar. Meine Kollegen gingen mit ihm joggen und er gewöhnte sich schnell an alle. Branko gehorchte recht gut und bald konnte ich ihn an der Wiese am Tierschuztverein frei laufen lassen. Nach einiger Zeit kamen die ersten Anrufe von Anwohnern wagen dem Hundegebell, kurz darauf der Anruf vom Ordnungsamt. Toll, wieder Ärger wegen Hundegebell. Was kann Branko denn dafür, er sieht andere Hunde, die von ihren alten oder neuen Besitzern abgeholt werden und er muß allein im Zwinger bleiben.

Die kleinen Katzen kamen, viele kranke Tiere und die Zeit für Branko wurde immer knapper. Branko frisst schlecht und die Gassigänger fehlten. Im Juni 2003 bekam er dann eine schlimme Ohrenentzündung und brauchte täglich Ohrentropfen. Er sah das aber anders. Kaum hatte man die Flasche in der Hand war Branko verschwunden. Also wurde er mit Zureden und Leckerchen gelockt. Er wehrte sich mit aller Kraft, zwickte uns in die Hand, winselte, so dass wir ihn mit zwei Helfern bändigen mussten.

Endlich kam eine gute Nachricht. Nach drei Monaten riefen die ersten Interessenten für Branko an. Überglücklich rief ich das ältere Ehepaar mit zwanzig Jahre Schäferhunderfahrung an. Total nette Leute deren Brankos kleine Macken nichts ausmachten. Er machte Theater beim Tierarzt, kann Türen öffnen und passt auf sein Grundstück auf. Wir machte einen Besuchstermin aus und freuten uns riesig, aber die Enttäuschung folgte nach zwei Tagen. Die Interessenten hatten eine 13Jährige Schäferhündin, ein absoluter Notfall aus dem Tierheim Bonn übernommen. Sie wünschten uns viel Glück und alles Gute für Branko. Die alte Hündin mochte absolut keine anderen Tiere. Kurz darauf riefen die nächsten Interessenten an, auch ein hundeerfahrenes Ehepaar mit einer erwachsenen Tochter und einer an Hunde gewöhnten Katze. Nach mehreren Gassigängen brachen wir Branko in sein neues Zuhause. Im leider nicht eingezäunten Garten ließen wir ihn laufen und er fühlte sich wohl. Als der Freund der Tochter den Garten betrat, lief er auf ihn zu und verbellte ihn so stark, dass wir alle erschraken. Nach zehn Tagen kam Branko zurück mit der Begründung , er ist uns zu anstrengend, er mag keine Katzen, er klaut essen, er läuft den ganzen Tag durchs Haus, wir sind fix und fertig. Zeit mit ihm eine Hundeschule zu besuchen fehlte.

Da stand er wieder im Zwinger. Er bekam Diarhoe. Der Tierarzt stellte eine Pankreasinsuffizienz  fest. Branko brauchte teures Spezialfutter. Gut, dachte ich, dann wissen wir für die nächste Vermittlung mehr von Brankos Eigenarten, die er erst im neuen Zuhause zeigt. Er war kastriert. Das Team von 'Tiere suchen ein Zuhause' wollten  sich noch mehr umhören. Nach dem ersten Besuch bei 'Tiere suchen ein Zuhause' (12.8.01) riefen auch gleich mehrere Interessenten für Branko an: ein Herr vom Wachdienst mit Zwingerhaltung, eine alleinstehende Mutter mit drei kleinen Kindern, beide nicht für Branko geeignet.

Dann rief wieder ein älteres Ehepaar an, schäferhunderfahren. Sie hatten Branko am 24.2.2002 im Fernsehen gesehen. In einem langen Gespräch klärten wir sie über Branko auf. Sie suchten eine Hundeschule aus und wir rieten ihnen einen Hundetrainer ins Haus zu holen, um mit ihm an der Situation zu arbeiten. Das Ehepaar war den ganzen Tag zu Haus, alles andere war kein Problem. Alles lief gut - bis zum fünften Tag. Branko läßt mit Theater Besuch herein, aber keiner darf sich mehr bewegen oder das Haus verlassen. Am sechsten Tag lässt er auch keinen Besuch mehr rein. Jeden Tag telefonierte ich mit den Leuten, gab Tipps und riet dazu einen professionellen Helfer zu suchen. Über 'Tiere suchen ein Zuhause' habe ich eine hilfsbereite Hundetrainerin gefunden und dem Ehepaar ihre Telefonnummer gegeben. Eine Trainerin telefoniert mit dem Ehepaar und stellte fest, dass sie versucht hatten Branko mit Leckerchen von der Tür weg zu locken. Das war ein schlimmer Fehler- Branko wurde in seinem Verhalten bestätigt. Das Ehepaar wollte Branko nun nur noch übernehmen, wenn er therapiert wäre und alle Probleme beseitigt sind. Ich erklärte ihnen noch mal, dass sie mit dem Hund arbeiten müssten und dass er auch nicht im Schlafzimmer schlafen dürfe. Alles umsonst, am 11. Tag war er wieder da.

Im Zwinger wirkt Branko zunehmend verstörter, er bellt, jammert und dreht total durch. Wir stellen uns die Frage, ob Branko noch einen neuen Besitzer finden wird, wer will überhaupt einen Hund mit Problemen, wo es doch so viele andere Hunde gibt. Will Branko überhaupt noch vermittelt werden? Er gewöhnte sich langsam wieder ein und im Mai 2002 besuchten wir die Pechvogelsendung von 'Tiere suchen ein Zuhause' in Burger´s Zoo in Arnheim. Die Aufzeichnung fand direkt vor dem Gorillagehege statt und Branko zog eine Mitarbeiterin der Redakteurin fast in den Wassergraben. Er bellte die Gorillas an und die Aufzeichnung musste wiederholt  werden. Sie nannten Brankos Art „typisch hysterischer Schäferhund“. Eine anwesende Hundetrainerin gab mir noch mal Tipps, wie wir mit Branko umgehen sollten. Diese Umgehensweise musste aber vielleicht sogar über Monate gehen und alle sollten ihn gleich behandeln, was bei uns im Tierheim fast unmöglich war. Nach der Pechvogelsendung rief nur eine alte Dame im Rollstuhl an.

Ich glaube ohne die Unterstützung und die Aufmunterung  des Tiere suchen ein Zuhause- Teams, das mich immer wieder aufbaute und sich auch später noch nach Branko erkundigte, wäre ich verzweifelt. Es gibt für alle Hunde bzw. Tiere Menschen, die auch einem schwierigem Hund eine Chance geben, die Frage ist nur wann und wo man sie findet.

Im November 2002 gab es endlich wieder neue Interessenten für Branko. Se hatten ihn am 17.11. 2002 im Fernsehen gesehen. Es war ein junges Ehepaar mit kleinem Kind , das bereits schon einen Hund hatte. Wir starteten den dritten Versuch. Nach stundenlangen Vorgesprächen in denen jede kleine Macke besprochen wurde, dachte ich, die überlegen es sich noch mal und kommen nicht.  Sie kamen aber und wir gingen zusammen mit ihrer Hündin spazieren. Es gab kurze Rangordnungsprobleme mit der Hündin und dann klappte es, auch mit dem Kind. Branko wurde in sein neues Zuhause gebracht. Jede Nacht träumte ich von Branko, wie geht es ihm, fühlt er sich wohl. Ich hatte vor jedem Anruf Angst. Dann, nach fünf Wochen riefen Brankos neue Besitzer an.  Er lässt Besuch ins Haus und bleibt auch kurz allein. Mit Kind und Zweithund bestehen auch keine Probleme. Nur beim Autofahren ist er nervös. Branko darf teilweise im Schlafzimmer schlafen und auf dem Sofa liegen, wovon ich ihnen allerdings abriet. Nach sechs Wochen gab es dann Probleme. Er bellte Leute an, die am Fenster vorbei gingen und kratzte an der Tür. Im Tierschutzverein überlegten wir, ob wir einen Hundepsychologen bezahlen könnten, um Branko behandeln zu lassen, das wollten aber die Besitzer nicht. Die Tierärztin gab Branko vorübergehend Tabletten gegen seine Unruhe. Im März 2003 war Branko wieder im Zwinger des Tierschutzvereines. Er hatte ein Treppengeländer zerlegt, Anwohner angeknurrt, ebenso den Besitzer, als dieser ihn vom Sofa holen wollte. Branko trauerte und saß verstört im Zwinger. Eine Hundetrainerin konnten wir nicht bezahlen, sie riet uns jedoch eine Schlafbox einzurichten, in der man Branko langsam dran gewöhnen konnte, allein zu bleiben. Wir übten auf der Anlage. Die Hoffnung aber jemals den richtigen Menschen für diesen tollen Hund zu finden wurde immer geringer, aber wir gaben sie nicht auf. Ich dachte irgendwo sind diese Menschen und Branko wird noch ein glücklicher Hund.

Aber nach drei Jahren Tierheim und vier Besuchen bei 'Tiere suchen ein Zuhause' machte ich mir Vorwürfe. Ich fragte mich, was ich falsch machen würde.

Ich versuchte noch mal einen Termin für 2003 zu bekommen - alle schon vergeben. Aber wir werden nicht aufgeben, ich rufe im Oktober noch mal an, dass sind wir Branko schuldig.

Brankos Geschichte Teil II

Erzählt von Isolde Lorenz

„ Oje, was ist denn das für ein Irrer“

Im Oktober 2003 machte ich meine ersten Arbeitsstunden als ehrenamtliche Helferin auf der Tierschutzanlage in Oer- Erkenschwick.

Der einzige Hund dort, ein Schäferhund namens Branko, sprang mich an, jagte die Katzen von außen im Katenhaus, versuchte in der Futterküche „zu klauen“,  Mülltonnen auszuräumen, natürlich nur, wenn er nicht wie ein Verrückter hin und her rannte, Türen aufmachte usw..

Dieser Hund ist hoffnungslos unterfordert und unausgelastet! Ich beschloss mich mehr um ihn zu kümmern, holte ihn zum Joggen, zum Spaziergang ab, versuchte ihn durch Kommandos zu bremsen.

So wird nie mehr was aus dem Hund dachte ich bei mir, der ist mit diesem Verhalten nicht mehr vermittelbar, der braucht eine Pflegestelle, um erst mal wieder sozialisiert zu werden!

Natürlich wollte keiner ,den ich fragte  Branko bei sich aufnehmen. Jetzt war Dietmar (mein Mann) dran. Er wurde täglich von mir bearbeitet. Eines Tages gab er keine Antwort auf mein Anliegen. Nun, dachte ich, wer schweigt ist einverstanden. Ich plante alles : Urlaub, Hundeschule... .Nachdem Dietmar Branko kennen gelernt hatte, wurde ich noch mutiger... und wenn wir soviel Zeit und Geld in den Hund stecken, können, wir ihn auch gleich behalten...

Nun, am 13.1. 2004 war es dann soweit. Branko wurde offiziell ins Lorenzrudel aufgenommen. Er scheint es bis heute nicht bereut zu haben. Und wir auch nicht, wie ihr auf den verschiedenen Seiten dieser Homepage sehen könnt.